Und wie keine andere Naturwissenschaft bietet sich die Astronomie an, Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen aus dem Schulhaus zu locken, um beeindruckende Himmelsphänomene zu erleben. Die Astronomische Gesellschaft formuliert in ihrem Memorandum Kriterien für einen guten naturwissenschaftlichen Unterricht. Dazu gehört zum einen die Vermittlung von Naturwissenschaft durch direkte Naturbeobachtung. Zum anderen sollen die Lernenden durch entdeckendes Lernen aktiv am Prozess "Wissenschaft" teilhaben. Für die Umsetzung dieser Kriterien erscheint es uns notwendig, die Schule mit ihrem traditionellen Unterricht in verschiedenen Dimensionen zu öffnen. Seit 1993 gibt es am Kopernikus-Gymnasium in Wissen (Rheinland-Pfalz) eine Arbeitsgemeinschaft, die versucht, bei Schülerinnen und Schülern Interesse an astronomischen Phänomenen zu wecken. In zahlreichen Projekten konnten seither neue Unterrichtsstrukturen, -methoden und -inhalte unter der Intention "Öffnung von Schule und Unterricht" erfolgreich umgesetzt werden.
Inhaltliche ÖffnungZiel der inhaltlichen Öffnung des Unterrichts ist eine vielseitige Selbst- und Welterfahrung. Das kann vor allem durch die fächerübergreifende, projektorientierte Behandlung von Themen mit unmittelbarem Alltagsbezug umgesetzt werden.
Methodische ÖffnungDie methodische Öffnung des Unterrichts zielt darauf ab, dass die Lernenden ein Selbstverhältnis zum Lerngegenstand gestalten können, über dessen Gestalt nicht von vornherein durch die Lehrperson verfügt wird. Ein entscheidendes Merkmal von methodisch geöffnetem Unterricht ist, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur Adressaten vorgefertigter Lernergebnisse sind, sondern ihren eigenen Lernprozess aktiv mitgestalten. Das bedeutet, dass die Lernenden in die Projektplanung mit einbezogen werden und während des Projekts die Möglichkeit haben, sich selbst zu gruppieren und zwischen Gruppen- und Einzelarbeit frei wählen können. Das setzt ein reichhaltiges Material- und Themenangebot voraus. Dies ist bei astronomischen Projekten gegeben, da hier eine Vielzahl unterschiedlichster Aufgaben zu bewältigen ist:
Institutionelle ÖffnungDie institutionelle Öffnung von Unterricht zielt darauf, dass sich die Institution Schule gegenüber der außerschulischen Wirklichkeit öffnet. Dadurch sollen die Schülerinnen und Schüler befähigt werden, die Realität wahrzunehmen, zu gestalten und zu verändern. Insbesondere diese Dimension wird in den hier vorgestellten Projekten durch eine vielschichtige Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern gewährleistet.
In diesem Artikel fassen wir unsere langjährigen praktischen Erfahrungen zusammen. Dabei gehen wir insbesondere ein auf die institutionelle Öffnung bei unseren fächerverbindenden Sonnenfinsternis-Projekten, die Wiederbelebung der Schulsternwarte in der Nachbarstadt Betzdorf und die Etablierung öffentlicher Veranstaltungen in der Schulsternwarte.
Anke Wendt ist Lehrerin für Geographie, Mathematik und Philosophie am Kopernikus-Gymnasium in Wissen (Rheinland-Pfalz).
Peter Stinner ist Lehrer für Physik und Mathematik am Kopernikus-Gymnasium in Wissen (Rheinland-Pfalz). Mit der Wissener Astronomie-AG betreibt er die Sternwarte der Geschwister-Scholl-Realschule in Betzdorf.
Astronomie