Der italienische Astronom und Physiker Galileo Galilei (1564-1642) richtete 1609 das gerade erfundene Fernrohr an den Nachthimmel und begann eine systematische Untersuchung von Mond, Planeten und Sternen. Die Ergebnisse hielt er in seinem Buch Sidereus Nuncius fest, das heute ein beeindruckendes Zeugnis - nicht nur des Wissenschaftlers, sondern auch des Künstlers - Galilei ist. Aber nicht nur die erste Himmelsbeobachtung jährt sich 2009 zum vierhundertsten Mal. Im gleichen Jahr erschien mit der "Astronomia Nova" von Johannes Kepler (1571-1630) ein Werk, das der Zivilisation den Weg zu unserem modernen Verständnis des Sonnensystems und seiner Dimensionen wies. Mit seinen Gesetzen, die zum Teil erstmals in der "Astronomia Nova" erschienen, wurde es möglich, die Bewegungen von Planeten so zu verstehen, dass die Berechnung ihrer Positionen am Himmel über längere Zeit möglich wurde.
Seit der Zeit von Galilei und Kepler haben Astronomen in aller Welt durch ihre Beobachtungen und deren Interpretation Stück für Stück den Platz der Menschheit im Universum entschlüsselt. Die Einsichten über unseren Standort und andere astronomische Entdeckungen beeinflussten das Weltbild und das Selbstverständnis der Menschen entscheidend. Dachte man vor mehr als 400 Jahren noch, dass die Menschen auf der Erde sich im Zentrum des Weltalls befinden, so wissen wir heute, dass unser Planet sich um einen Stern bewegt, von dem es im Universum noch viele andere gibt.
Das IYA2009 - ein Beschluss der UN-VollversammlungDas Internationale Jahr der Astronomie (IYA2009) wurde offiziell von der UN Vollversammlung auf Betreiben der internationalen Organisation der Astronomen (IAU) am 20. Dezember 2007 beschlossen. Damit ist das IYA2009 nicht wie die Wissenschaftsjahre nur ein nationales, sondern ein internationales Ereignis, an dem sich mehr als 130 Nationen beteiligen! Internationalität ist nicht nur in der Forschung seit vielen Jahren ein ganz wichtiges Element. Es spielt auch in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, wo immer mehr Menschen verschiedener Herkunft gemeinsam lernen, eine zunehmend bedeutendere Rolle. So verbindet sich mit dem Astronomiejahr auch die Hoffnung, dass sich die Menschen mehr und mehr bewusst werden, dass sie gemeinsam auf einer Erde leben - eine Erkenntnis, die weltweit ein friedlicheres Zusammenleben fördern sollte.
Zentrale Bedeutung des InternetsIm Rahmen des IYA2009 entwickelt sich das vielleicht größte Netzwerk, das das Internet bisher hervorgebracht hat. Wie bei kaum einer anderen Aktivität wird hier die globale Vernetzung sichtbar. Die weltweiten Bemühungen, ein Jubiläum zu feiern, das unsere Kultur und Zivilisation maßgeblich verändert hat, lassen sich im Netz verfolgen. Mit Blogs und Internettagebüchern wird das Leben und Wirken der Astronomen vielen Menschen nahe gebracht. Galerien herausragender astronomischer Bilder, zum auf Beispiel auf der Webseite hubblesite.org, runden das Astronomieangebot ab. Hinweise auf Veranstaltungen in Deutschland finden Sie auf der Deutschen IYA209-Homepage, auf der Sie auch eigene Veranstaltungen eintragen können. Auf der Internationalen IYA2009-Homepage können Sie sich über Aktivitäten in anderen Ländern informieren.
Das vierhundertjährige Jubiläum wird von den Astronomen in vielen Ländern mit einem umfangreichen Veranstaltungskatalog gefeiert. "Cornerstones" bieten Möglichkeiten, einen bestimmten Aspekt der Astronomie herauszugreifen und ihn gemeinsam in vielen Ländern anzugehen. Zum Beispiel sollen vom 2. bis zum 5. April 2009 mit der Aktion "100 Stunden Astronomie" weltweit Himmelsbeobachtungen für die Öffentlichkeit ermöglicht werden. Gleichzeitig ergänzen Berichte von Sternwarten und Beobachtungsstationen im Internet das Angebot.
Vier ThemenbereicheÜber das Jahr verteilt wird es in Deutschland vier thematische Schwerpunkte geben, in denen jeweils ein Aspekt der Astronomie besonders hervorgehoben wird:
Der Blick zum HimmelGenerell soll im IYA2009 möglichst vielen Menschen der Blick durch ein Fernrohr ermöglicht werden. Zahlreiche Veranstaltungen, gestaltet von Amateurastronomen vor Ort, bieten im Jahr 2009 die Möglichkeit, die Beobachtungen Galileis nachzuempfinden. Viele Vereinigungen informieren auf Ihren Homepages über bevorstehende Beobachtungsangebote. Hier zeigt sich eine der Stärken des Internets: Informationen über bevorstehende Angebote lassen sich ganz kurzfristig kommunizieren. Das ist gerade im Hinblick auf schnelle Wetteränderungen von großer Bedeutung. Schulen können bei solchen Veranstaltungen auch auf Amateurastronomen aufmerksam werden, die in der Nähe wohnen und vielleicht auch Lust haben, sich bei Schulveranstaltungen zu engagieren.
Astronomie, Kultur und WeltbilderIm zweiten Quartal 2009 finden zahlreiche Veranstaltungen statt, bei denen die Beziehung der Astronomie zur Literatur, Musik und bildenden Kunst im Mittelpunkt steht. Astronomie soll hier bei Theaterstücken, Konzerten und Ausstellungen bildender Künstler thematisiert werden. Ein modernes Theaterstück zum Leben Johannes Keplers und eine Uraufführung eines bekannten Komponisten für elektronische Musik zu astronomischen Daten in der Bonner Kunsthalle verdeutlichen die Bandbreite der Veranstaltungen. Das Gasometer in Oberhausen bietet mit einer von April 2009 bis ins Jahr 2010 dauernden Ausstellung über die Wunder des Sonnensystems eine spektakuläre Ausstellung an. Nicht vergessen sollte man die Veranstaltungen der Kepler Gesellschaft in Baden Württemberg, die sich in besonderer Weise mit Kepler auseinandersetzen. Im dritten Quartal rücken die astronomischen Weltbilder in den Mittelpunkt.
Katalysator für das Interesse an der NaturwissenschaftDas letzte Quartal 2009 ist besonders dem Thema "Astronomie und Schule" gewidmet - was keineswegs bedeutet, dass die Schule bis dahin "astronomiefreie Zone" bleiben soll! Denn die Astronomie ist wie kaum ein anderes Forschungsgebiet zur Entfachung von Faszination und zur Förderung des Interesses an Naturwissenschaft geeignet. Dabei spielt das eigene Erleben von Astronomie eine bedeutende Rolle. Wer selber einmal eine totale Sonnenfinsternis erlebt hat, weiß, wie beeindruckend ein solches Schauspiel ist, wenn man es mit eigenen Augen beobachtet. Der Blick durch ein kleines Fernrohr auf Jupiter, Saturn oder den Mond bietet faszinierende Erlebnisse - und das auch, wenn uns Nahaufnahmen der Raumsonden durch die Medien mittlerweile vertraut sind. Ein zweiter Grund für die Popularität der Astronomie liegt in den beeindruckenden Bildern, die - dank Internet - weltweit in brillanter Qualität zur Verfügung stehen (hubblesite.org). Solche Bilder fordern auch Erklärungen heraus, und dann sind es oft die beeindruckenden Zahlen, die die Menschen zum Staunen bringen.
Materialien für den UnterrichtLehrer, Wissenschaftler und Hobbyastronomen sind aufgerufen, insbesondere in der "Woche der Schulastronomie" vom 9. bis 15. November in den Bildungseinrichtungen die Bedeutung der Astronomie als Einstieg für junge Menschen in die Naturwissenschaften hervorzuheben. Ab Januar 2009 laufen am Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn die Vorbereitungen, um Lehrerinnen und Lehrern aller Klassenstufen Materialien an die Hand zu geben, die in dieser Woche verwendet werden sollen. Selbstverständlich wird das Material auch im Internet zur Verfügung stehen. Schon jetzt lohnt sich ein Klick auf die Materialsammlung der Schulkommission der Astronomischen Gesellschaft mit zahlreichen Hinweisen auf unterrichtserprobte Materialien.
Einsatz ferngesteuerter TeleskopeDas Internet soll es auch möglich machen, im Schulunterricht in Deutschland astronomische Beobachtungen online durchzuführen, da man auf der dunklen Seite der Erde Teleskope in einer computergestützten Beobachtung von Deutschland aus betreiben kann.
Dr. Michael Geffert ist als Astronom am Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn tätig und koordiniert die deutschen Aktivitäten im Internationalen Jahr der Astronomie 2009 (IYA2009). Er gründete das Grundschulprojekt Astronomie vor Ort und organisiert regelmäßig Lehrerfortbildungen am Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn (immer samstags nach Karneval).
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